Glasmacherdorf

Das Glasmacherdorf Schmidsfelden ist ein komplett erhaltenes Enemble. Angestoßen von der Heimatpflege Leutkirch sind die historischen Gebäude behutsam renoviert worden. Die Glashütte, aber auch fast alle anderen Gebäude, zeugen von längst vergangenen Glanzzeiten der Glasmacher. Schmidsfelden begeistert mit besonderem Flair.

Fotos: Stefan Michaelis

Geschichte

Der Glasherr Johann Balthasar von Schmidsfeld muss bis Georgi 1825 sein Dorf mit Hütte, Häusern und Kapelle in Alt-Eisenbach räumen. Wochenlang fahren die Karren, beladen mit Hab und Gut talauswärts, zur „Ratzensäge“, wo die Herren von Schmidsfeld vorsorglich Grundstücke erworben hatten. Dort entsteht ein neues Dorf mit Namen Schmidsfelden.

Am höchsten Punkt entsteht das „Oberhaus“, in dem die „Hüttenmeister“ Schmid (ab 1752 von Schmidsfeld, später Christmann) fortan residieren. Im niedriger gelegenen „Platzdorf“ wohnen und arbeiten die einfacheren „Leut“.

1898 wird die Hütte still gelegt, die Glas-Zeit in der Adelegg findet ihr Ende. Der Ingenieur Julius Christmann heiratet ein und führt wie sein Sohn Julius und sein Enkel Heinz Christmann in Schmidsfelden ein Sägewerk und einen Gutsbetrieb fort.

Um 1990 ist Schmidsfelden nahezu menschenleer, der Glashütte droht der Verfall. Dann aber beginnt mit der Initiative der Heimatpflege Leutkirch ein erstaunliches Comeback, der Glasweiler belebt sich, in der Glashütte arbeitet wieder ein junger Glasbläser.

Gebäude

Das „Oberdorf“ wird durch das stattliche, barockes Gepräge zeigende „Oberhaus“ dominiert. Gegenüber lohnt ein Blick in die Kapelle, deren Altar feines Rokoko zeigt. In der „Remise“, einem Mehrzweckbau, lädt das gleichnamige Café/Bistro zum gemütlichen Verweilen ein. Das nächste Gebäude – das Glasmagazin. Kaum wo sonst in Glasmachergebieten gibt es so etwas noch! Im Dachgeschoss scheint die Zeit stehen geblieben zu sein: Flaschen, Röhren, Scheiben und Apothekergeräte lagern noch in den Regalen. Ladenhüter! Im ersten Geschoss informiert die Naturschutzstation des Leutkircher Umweltkreis über die Pflanzen- und Tierwelt der Adelegg und deren ökologische Probleme. Im Erdgeschoss befindet sich ein Mehrzweckraum in dem Gruppen bewirtet werden können.

Als einziges Gebäude wendet das ehemalige Verwalterhaus den Giebel zur Straße. In seinem Dachgeschoss lagerte einst das Getreide. Ihm gegenüber eine Nachbildung der berühmten Schmidsfelder Schaukel. Dann folgen inmitten von hübschen Gärten einfache, traufständige Wohngebäude, in denen die Arbeiter lebten: Glasmacher, Schürer, Schmelzer, Handlanger. Im letzten Haus vor der Eschach lief die Sägemühle, angetrieben vom Wasser des einst offenen Sägebachs. Auf bayerischem Boden steht das „Unterhaus“, einst Gästehaus und Alterswohnsitz deren von Schmidsfeld.

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